| Merkblatt
zur Biospeläologie von Dr. Klaus Dobat & Stefan Zaenker |
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2.4. Wie man Höhlentiere fängt
Beim Sammeln mit Pinsel und Pinzette wird nur ein Bruchteil der vorhandenen Tiere erfaßt: Viele Arten werden übersehen, andere leben derart versteckt, so daß man sie nur zufällig findet. Empfehlenswert ist daher das Auslegen von Ködern, durch welche die Tiere angelockt werden.
2.4.1. Köderung
Organische Abfälle aller Art sind geeignet:
Diese Köder werden an geeignete, möglichst wenig begangenen Stellen ausgelegt und markiert (Kreidestrich, Steinpyramide). Über den Köder wird ein flacher Stein gelegt, der durch kleine Steinchen etwa 0,5 cm über dem Boden gehalten wird (Schutz gegen Mäusefraß). Nach einigen Tagen oder Wochen wird der Köder kontrolliert. die auf dem Köder sitzenden Tiere werden mit dem Pinsel oder der Pinzette ins Alkoholgläschen befördert.
Nicht oder nur schwer zugängliche Spalten oder Schachthöhlen können mit Hilfe einer Köderbüchse besammelt werden.
Köderbüchse:
Eine allseitig durchlöcherte Blechdose wird mit feuchtem Moos und verschiedenen Ködern locker gefüllt und mit einer Schnur in die Spalten und Löcher hinabgelassen. Nach 2 - 3 Wochen wird sie wieder heraufgezogen und der Inhalt nach Tieren untersucht.
Mit ineinandersteckbaren Sieben verschiedener Maschenweite können aus Mulm oder Schlamm Höhlentiere herausgesiebt werden.
Trockene Methode:
Verwesendes Laub, Mulm, lockere Erde usw. werden auf das Grobsieb gelegt und vorsichtig durchgeschüttelt. Auf dem Fein- und Feinstsieb sammeln sich die Tiere an.
Nasse Methode:
Schlamm und Kies aus dem Höhlengewässer werden auf das Grobsieb gelegt und im Wasser kräftig geschüttelt. Vom Fein- und Feinstsieb werden die Tiere abgesammelt.
2.4.3. Anlockung und Fang von Höhlenkrebsen
An einer strömungsschwachen Stelle im Höhlenbach oder in einem Höhlensee wird die abgebildete Fangapparatur ausgelegt. Nach einigen Tagen oder Wochen entfernt man den Gewichtsstein und hebt die Schale mit dem Sieb vorsichtig aus dem Wasser. Die am Boden der Schale angesammelten Krebse werden in 70 %igem Alkohol konserviert.
Die meisten Tiere können ohne stärkere Beschädigung mit einer Pinzette gefangen bzw. gefaßt werden: Fadenwürmer, Borstenwürmer, Schnecken und Muscheln, größere Spinnen, Weberknechte, Tausendfüßer, Käfer usw.
Kleine und zarte Tiere werden dagegen am besten mit einem Pinsel betupft, den man vorher kurz in Alkohol getaucht hat. Das gilt besonders für Urinsekten, Milben, Zwergspinnen und für kleine Höhlenkrebse (z. B. Höhlenassel). Die Tiere werden vom Alkohol betäubt, bleiben am Pinsel hängen und fallen im Alkoholglas bei leichter Hin- und Herbewegung des Pinsels ab.
Als Konservierungsmittel für die meisten Höhlentiere ist 70 %iger Alkohol geeignet, der in jeder Drogerie oder Apotheke erhältlich ist (am billigsten ist Brennspiritus, den man im Verhältnis 70 : 30 mit Wasser mischt). Eine Ausnahme bilden die sehr zarten Strudelwürmer.
2.4.5. Fang und Konservierung der Strudelwürmer (Planarien, Turbellarien)
Die sehr empfindlichen Tiere lösen sich bei grober Behandlung oder in zu warmer Umgebung sofort auf. Bei unsachgemäßer Konservierung ziehen sie sich außerdem zu unkenntlichen und unbestimmbaren Klumpen zusammen. Nur kurzfristig ist eine Lebendhaltung in einer Thermosflasche mit wenig Wasser oder feuchtem Moos möglich.
Die 1 - 2 cm langen, weißen Tiere sitzen meist auf der Unterseite von Steinen, die in Höhlengewässern liegen. Sie werden vorsichtig mit dem in Wasser gut ausgewaschenen Pinsel abgehoben und mit einigen Tropfen Wasser auf eine flache Unterlage gesetzt. Sobald sich das Tier wieder beruhigt und flach ausgebreitet hat, wird es schnell mit 10 %iger Salpetersäure übergossen, mit viel Wasser abgespült und dann in 70 %igen, nach wenigen Minuten in 90 %igen Alkohol gebracht. Das Übergießen mit Salpetersäure bewirkt einen sehr schnellen Tod des Tieres, so daß es sich nicht zusammenziehen kann (nur ausgestreckte Exemplare können sicher bestimmt werden!).
Frisch tot in den Höhlen gefundene Tiere (Frösche, Molche, Feuersalamander, Mäuse, Fledermäuse etc.) können ebenfalls in 70 %igem Alkohol konserviert werden. Allerdings ist ein ein- bis zweimaliges Erneuern des Alkohols nach wenigen Tagen erforderlich, da dieser durch die austretende Körperflüssigkeit verdünnt wird. Bei größeren Tieren sollte die Bauchdecke mit einem scharfen Messer oder einer Schere aufgeschnitten werden, damit der Alkohol eindringen kann und eine innere Fäulnis vermieden wird.
Lebende Wirbeltiere sollten in den Höhlen unter keinen Umständen gesammelt werden !
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